Tierfotografie Michael Weirauch
TierfotografieMichael Weirauch

 

Mit der Fotokammera bei Familie Dachs und Fuchs

 

Schon seit langem keimte in mir der Wunsch, einmal junge Füchse zu fotografieren. Ich hatte schon oft Bilder gesehen und immer wieder begeisterte mich die Atmosphäre die von solchen Fotos ausging. Ich verständigte mich mit einem mir bekannten Jäger, mit der Bitte um Hilfe. Mitte Mai war es dann so weit. Leider konnte er mir mit jungen Füchsen nicht helfen, aber  ein anderer Jäger habe junge Dachse gesehen. Ob ich die fotografieren wolle? Natürlich wollte ich. Ich konnte mich bei besten Willen nicht daran erinnern in unserer Gegend Dachse gesehen zu haben. Vor vielen Jahren in Mecklenburgischen hatte ich mal einen toten Dachs gesehen. Das man ihnen so selten begegnet liegt wohl auch daran, dass sie Dämmerung- bzw. Nachtaktiv sind. Meist sieht man sie tot am Straßenrand liegen, das Ergebnis ihrer nächtlichen Wanderungen.

Heute war es nun soweit. Wir fuhren in Richtung Wald und nach einem kurzen Fußmarsch sind wir am Ziel. Der Dachsbau lag nur wenige Meter vom Waldrand entfernt. Dachse sind sehr gesellige Tiere sie leben mitunter in großen Familien, Clans genannt, zusammen. Kennzeichnend für Dachsbaue sind die Rinnen am Eingang, diese hinterlässt der Dachs wenn er zum Beispiel seinen Bau neu auspolstert. Im Frühjahr wird bei Familie Dachs „Frühjahrsputz“ gemacht. Das heißt altes und verbrauchtes Polstermaterial, wie Gras und Laub, wird aus dem Bau hinaus und neues hinein gebracht. Das sieht sehr ulkig aus, denn der Dachs zieht rückwärts gehend das Material zum Bau. Dabei entsteht solch eine Schleifrinne und der Jäger sagt dann der Bau ist „befahren“, was heißt, im Bau leben Dachse. Außerdem erkennen die Jäger so, ob im Bau ein Dach oder ein Fuchs wohnt. Denn Füchse polstern ihren Bau nicht aus, sie liegen auf der Erde.

Bewaffnet mit allerlei Utensilien, Kamera, Stativ und Lampe kehrte ich am Abend zum Dachsbau zurück. Eine am Rande des Waldes stehende Jägerleiter sollte mir helfen von den Dachsen nicht  entdeckt zu werden. Oben angekommen richtete ich mich für die nächsten Stunden ein. Obwohl Dachse nicht besonders sehen können kann man doch sehr schnell entdeckt werden, denn der Dachs hat einen sehr guten Geruchssinn.

Langsam verschwand die Sonne hinter dem Horizont und es fing an zu dämmern. Gespannt suchte ich nach irgendeinem Zeichen, etwas was auf einen Dachs hindeuten könnte. Und tatsächlich, bald zeigte sich seine schwarz, weiße Nase . Immer und immer wieder prüfte er, ob der Wind ihm irgendeinen verdächtigen Geruch zutragen würde. Nachdem die Luft im wahrsten Sinne des Wortes sauber war, schob er sich  aus dem Bau. Kurz umgesehen und schnell abgetrabt, so war meine erste Begegnung mit einem Dachs. Später erfuhr ich, dass es bei Familie Dachs meist so abläuft. Zuerst der Rüde, also Vater Dachs, der sieht nach ob alles in Ordnung ist. Meist zieht er dann los um seine Notdurft zu verrichten und kehrt später zum Bau zurück. An diesen Abend hatte ich keine weiteren Begegnungen. Die Fotos die ich gemacht hatte waren wohl eher ein Fall für den digitalen Papierkorb. Auf diese Entfernung und mit dem Licht das konnte so nicht gehen.

Einige Wochen später sollte ein neuer Versuch gestartet werden. Diesmal wollte ich nicht auf die Jägerleiter steigen. Ich hatte mir einen Klapphocker besorgt, um näher an den Bau heranzukommen. Das würde mir beim fotografieren helfen. Ich hatte keine Ahnung ob und wie es funktionieren würde. Wird der Marder mich wahrnehmen oder wird die Fähe, Mutter Dachs, misstrauisch werden wegen ihrer Jungen? Wieder vergingen die Stunden und die Sonne beendete ihr Tagewerk. Auf einmal, wie von Geisterhand, schob sich eine Dachsnase langsam aus dem Bau. Alles lief ab wie Wochen vorher, nur nachdem der erste Dachs abgetrabt war, eine weitere Nase und dann auf einmal waren da drei junge Dachse und noch ein Erwachsener. Ich war begeistert, das hatte ich nicht erwartet.

Was nun begann könnte man kurz umreißen:“ Wehe wenn sie losgelassen werden“.

Die jungen Dachse tobten was das Zeug hergab. Kurzerhand wurde der Wald zum Kinderspielplatz umfunktioniert. Es wurde geschubst und geschoben, einmal hierhin einmal        

dorthin, alles war interessant und wurde als Spielzeug verwendet. Bewegte der Wind das Gras oder die Zweige des Holunder, war das die Gelegenheit seinen Mut zu beweisen und hinzuspringen.

War mal nichts Brauchbares vorhanden musste eben eines der Geschwister herhalten. 

Eine kurze Pause wurde genutzt um im Gras nach fressbarem zu suchen. Dachse sind Allesfresser und suchen im Wald gern nach Schnecken, Würmern und Insekten, wobei sie Beeren, Früchte und Obst nicht verschmähen.  

Bald ging das Spiel weiter so wie ich es z.B. von jungen Katzen oder jungen Hunden kenne.

 

Einer dieser Raufbolde war nun der Meinung mein Fotorucksack sei auch ein wunderbares Spielzeug. Er kam ganz nahe an mich heran und versucht meinen Rucksack in sein Spiel zu integrieren. Das fand ich nicht so in Lustig. Ich hielt die Luft an, denn irgendwie war es schon

 trollig wie er  an meinem Rucksack rummzerrte und zog. Dabei kam er mir immer näher. Wenn ich jetzt die Hand ein Stück nach unten nehmen würde, könnte ich ihn berühren. Nach einigen Minuten kam der Zeitpunkt zum Handeln. Wollte ich meinen Fotorucksack samt Inhalt retten musste ich sofort eingreifen. Ich machte eine kurze Bewegung, der junge Dachs erschrak, rannte, was seine Füße hergaben zu seiner Mutter. Die beendete darauf den heutigen Ausgang und verschwand mit ihren drei Kindern eiligst im Bau.

 

 

 

 

 

Für mich war es ein wunderbares Erlebnis das sich bei mir tief eingeprägt hat. Ich bin bis heute nie wieder Dachsen so nahe gekommen oder habe so lange und so intensiv ihr Spiel beobachten können.

Ein Jahr später bin ich dann noch einmal Familie Dachs begegnet. Diesmal waren sie zu dritt und es gab nur eine kurze Begegnung, wobei dieses lustige Familienfoto entstand.

 

Übrigens, zwei Jahre später, der Mai war gerade zwei Tage alt konnte ich mir meinen Wunsch, junge Füchse zu fotografieren, endlich erfüllen. Ich hatte ihren Spielplatz entdeckt und so legte ich mich auf die Lauer. Solche „Spielplätze“ entstehen, vor dem Bau, durch das herumtollen der Jungen. Es wird das Gras niedergedrückt, Blumen ausgerissen und der Boden sieht wie frisch gefegt aus. Es ist sehr faszinierend Füchse mit ihren Welpen zu zusehen, wobei ich sagen muss, junge Füchse sich doch sehr scheu und verhalten sich, im Gegensatz zu Dachsen, sehr vorsichtig, auch im Spiel.

 

Junge Füchse sind, wie wahrscheinlich alle Tierkinder, immer hungrig. Ständig werden die Eltern angebettelt etwas Fressbares zu geben. Ich musst mich sehr ruhig verhalten und ständig hoffen, das der Wind sich nicht dreht und mich so verraten würde, Füchse haben scharfe Sinne und ihnen entgeht kaum etwas. Die kleinste Bewegung, der kleinste menschliche Geruch, würde reichen um mich zu entlarven. Zweimal gelang es mir Fotos zu machen, dann wurde ich entdeckt. Da Füchse, vor allem Fähen mit ihren Jungen, sehr schreckhaft reagieren, verschwanden alle sofort im Bau. Die jungen Füchse habe ich nie wieder gesehen.

Fuchsfähen sind sehr besorgt um ihre Kinder und bei Störungen werden die Jungen, bei der nächsten besten Gelegenheit, in einen anderen, sogenanten „Notbau“ in Sicherheit gebracht.

 

 

Manchmal gehe ich einfach so zum Dachsbau um zu sehen was es neues und interessantes bei Familie Dachs gibt. Den Bau haben sie im Laufe der Jahre viele Male umgestaltet und vergrößert. Neue Aus- und Eingänge wurden geschaffen und dabei große Erdwälle vor dem Bau aufgeschüttet.  Vielleicht gelingt mir wieder einmal ein solches  Erlebnis, wenn dann auch noch schöne Fotos entstehen, hat es sich in doppelter Hinsicht gelohnt. Wobei das mit den Fotos  für mich sicherlich zweitrangig ist. Was zählt ist die Begegnung und das Beobachten der Tiere in freier Natur.

 

Bild und Text : Michael Weirauch

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